Idee

UNGROUND ist eine kinetisch-typografische Lichtinstallation, die von den Buchstaben des deutschen Wortes ORDNUNG ausgeht. Diese Buchstaben fügen sich jedoch nie zu einem stabilen Ganzen, sondern bleiben in permanenter Rotation und deuten nur für kurze Momente Teilwörter wie GROUND oder RUN an, ohne sich jemals vollständig zu setzen. Die Arbeit spiegelt damit unsere kollektive Form des Nachrichtenkonsums: Schlagzeilen immer wieder zu aktualisieren, in der Hoffnung auf etwas Verlässliches, und stattdessen nur weitere Fragmentierung vorzufinden.

Der erfundene Begriff UNGROUND bezeichnet das Fehlen eines festen Fundaments. Er verweist zugleich auf ein inneres Gefühl der Haltlosigkeit und auf eine äußere Wirklichkeit, die von permanenten Krisenmeldungen geprägt ist.

Fotos: Jennifer Braun

Kontext

In Deutschland zeigen Studien wie der Security Radar der Friedrich-Ebert-Stiftung ein vergleichsweise hohes Vertrauen in die Medien bei gleichzeitig deutlich ausgeprägter Sorge über geopolitische Entwicklungen. Diese Spannung, also der Wunsch, informiert zu bleiben, und zugleich die Angst vor dem, was neue Informationen mit sich bringen könnten, bildet den thematischen Kern von UNGROUND.

Bodenverlust

Das Wort “Ordnung” steht für Struktur und Vorhersehbarkeit. Indem die Installation seine Buchstaben zerlegt und neu anordnet, macht sie sichtbar, wie schnell sich jene Beruhigung auflöst, die wir in Nachrichten und Informationen suchen. In Anlehnung an Marshall McLuhans Idee des “global village” reflektiert UNGROUND das Paradox, sich immer stärker verbunden zu fühlen und zugleich zunehmend verunsichert zu werden.

Endloses Aktualisieren

Die Besucherinnen und Besucher sehen, wie drei Gobo-Projektoren rotierende Buchstabenkapseln auf eine Wand projizieren. Die Buchstaben wirbeln unvorhersehbar durcheinander, ähnlich dem endlosen Scrollen durch Schlagzeilen in einem Newsfeed. Manchmal scheinen sie sich für einen Augenblick zu sinnvollen Konstellationen zu fügen, häufiger bleiben sie mehrdeutig und verweisen so auf die schwer greifbare Natur von “ground truth” in einer Welt permanenter Updates.

Persönliche Erfahrung

Das Projekt speist sich auch aus der persönlichen Erfahrung des Künstlers, Nachrichtenseiten dutzende Male am Tag zu überprüfen, eine Gewohnheit, die nicht zu Kontrolle, sondern zu Erschöpfung und Leere führt. Dieses emotionale Ausbrennen steht im Zentrum von UNGROUND: Indem die Arbeit das Ideal von Ordnung visuell zerlegt, regt sie dazu an, darüber nachzudenken, wie wir den unaufhörlichen Informationsstrom verarbeiten, aufnehmen und manchmal in ihm untergehen.

Technische Umsetzung

3D-gedruckte Buchstaben in rotierenden Kapseln
Jede Kapsel enthält Buchstaben in Schriften, die von realen Medienlogos inspiriert sind, darunter eine Wirtschaftszeitung, ein Boulevardblatt und eine lokale Stadtzeitung. Die unterschiedlichen Typografien erzeugen unter Rotation leicht verschiedene Bewegungsdynamiken.

Helle LED-Gobo-Projektoren
Standard-Gobo-Projektoren wurden modifiziert, indem die Halogenlampen durch starke 50-W-LEDs ersetzt wurden. Jeder Projektor dreht seine Kapsel kontinuierlich, sodass die Buchstaben permanent in Bewegung bleiben und keine dauerhafte Ausrichtung entsteht.

Reflexionen in Lüdenscheid
Auf die Wände des verlassenen Einkaufszentrums projiziert, wurden die Buchstaben über ihre Spiegelungen in den Glasflächen lesbar.

Fotos: Slava Romanov

Präsentation

UNGROUND wurde im Rahmen des Lichtrouten Festivals vom 20. bis 29. März 2025 im verlassenen Forum am Sternplatz in Lüdenscheid (DE) präsentiert. Die Projektoren beleuchteten eine Korridorwand und hüllten Vorbeigehende in eine sich fortwährend verändernde Choreografie aus Buchstaben. Die Besucherinnen und Besucher konnten diese flüchtigen Formationen beobachten und sich fragen, wie oft auch sie selbst Nachrichtenfeeds aktualisieren, um Antworten zu finden, und am Ende doch nur auf neue Fragen stoßen.

Autor

  • Slava Romanov: Konzept, Design und Umsetzung

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